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31.01.2011

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Babsy
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| 1992:
Unser 2. Wurf ist da. Und nach der guten Entwicklung unserer ersten
Hovi-Kinder ist schon ganz sicher - ein Mädel bleibt! Ja und welches
entscheidet sich, für mich aus damals eigentlich noch nicht wirklich
ersichtlichem Grund, schon recht früh. Babsy! Ist es ihre Mimik? Ihre
bedächtige ruhige und sichere Art? Ist es ihre ganze Ausstrahlung? Sind
wir da schon fasziniert von ihrem unvergesslichen Blick? Ich weiß es
heute nicht mehr! Es könnte so viele Erklärungen dafür geben, die
angesichts ihrer gesamten Entwicklung alle verständlich wären.
Wie: die Ähnlichkeit
mit ihrem Vater, unserem 1. Hovawart, nicht nur seitens des
Erscheinungsbildes. Ihr gelassener Umgang mit allen Menschen. Egal ob
sie ihr freundlich oder böse gesinnt sind. Nie begegnet sie jemandem
unfreundlich. Im Gegenteil, durch ihre ruhige und unglaublich
liebenswerte Ausstrahlung überzeugt sie in ihrem Leben so manchen
Hundegegner. Man kann sich ihr nicht einfach entziehen.
Sie
besitzt ein unendliches Vertrauen in „ihre“ Menschen und nimmt jeden
Befehl bedingungslos an. Für sie gibt es keine schlechten oder bösen
Befehle. |
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| Befehle?
Nein eigentlich ist das der falsche Ausdruck. Wann muss ich bei ihr laut
werden? Kommandos geben? Überzeugt sie uns nicht von klein auf davon,
dass sie ein Kind in der Familie ist und entsprechend erzogen und
geliebt werden muss?
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| Babsy
wächst heran und entwickelt sich völlig unproblematisch. Und obwohl
sie mit ihren Eltern lebt und tobt, genießt sie die vielen Spielstunden
mit ihren Geschwistern, die sich immer wieder anbieten und sicher ihr
Sozialverhalten mit bedeutend prägen. Wenn
sich die Möglichkeit bietet, zeigt sie ein ausgeprägtes Temperament,
das sich im Familienalltag kaum erahnen lässt. Recht früh ist sie
erwachsen und „vernünftig“. So scheint es uns, bis zu ihrem 1. Wurf
mit 2 Jahren. Die Geburt sowie die darauf folgende 1. Woche zeigen uns,
dass sie längst noch nicht so weit ist, um die verantwortungsvolle
Mutterrolle zu übernehmen. Wir fassen erst einmal den Entschluss, ihr
„dies“ nie wieder zumuten zu wollen, bis schließlich in der 2.
Aufzuchtwoche das Eis gebrochen ist, sie in ihrer Mutterrolle aufblüht.
Immerhin steht für uns fest; es wird keine Hündin mehr vor dem
vollendeten 3. Lebensjahr Welpen aufziehen dürfen (müssen). Zumal
dieser Wurf, wie sich im Anschluß zeigt, ihr denn doch bis dahin noch
kindliches Verhalten rapide beendet hat.
Ein
Jahr später zieht sie gemeinsam mit ihrer Mutter Candy deren letzten
Wurf auf. Und wie deutlich zeigt sich das unterschiedliche Wesen dieser
beiden Hündinnen? Wie harmonisch die Zusammenarbeit! Candy ist unübertrefflich
in der Welpenpflege. Sie putzt und säugt unermüdlich, bis ihr die
Welpen irgendwann (3.-4. Woche) sprichwörtlich über den Kopf wachsen.
Sie toleriert bereits ab der 2. Woche Babsy’s Schmuseeinheiten und überlässt
ihr „gerne“ die nun schon aktiven Hundekinder.
Babsy ist in ihrem
Element. Es ist eine Freude ihr beim Herumtollen mit ihren
kleinen Geschwistern und bei deren Erziehung zuzusehen.
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| Es
folgt ein Jahr später ihr 2. Wurf mit 9 Welpen. Sie strahlt nun eine
große Sicherheit, Ruhe und Souveränität aus. Anders als Candy sieht
sie die Popopflege der Welpen wohl nicht als so wichtig. Da reicht das
„Muss“. Dafür ist sie kaum aus dem Welpenauslauf herauszubringen.
Das Spiel, die Erziehung der Welpen ist „ihre“ Aufgabe. Und hierin ist sie unermüdlich.
Auch ihren
3. Wurf hat sie, trotz seiner Größe von 12 Welpen, „fest im
Griff“. Die Erziehung ist ganz augenscheinlich ihre Stärke. Selbst
den „Ansturm“ der bereits kräftigen 7wöchigen Welpen auf ihre
Milchbar nimmt sie unglaublich gelassen hin.
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| Ich
bewundere sie! Ihre Nervenstärke!
Wie
selbstverständlich hat Babsy längst die Führung in unserem Hunderudel
übernommen. Zu keiner Zeit wird ihr diese Führung streitig gemacht.
Weder von ihrer Mutter, noch von ihrem jüngeren Halbbruder. Sie zeigt
sich in dieser Position ebenso sicher und souverän wie bei ihrer
Welpenerziehung. Ihre
Fürsorge lässt sich täglich besonders sichtbar an Candy’s und
Finchen’s Köpfen erkennen, die nicht der gründlich pflegenden Zunge
entgehen und dies sichtlich genießen.
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| Die
Welt ist in Ordnung, bis wir eine auffällige haarlose Stelle im
ansonsten unauffälligen Haarkleid vorfinden und diese diagnostizieren
lassen wollen.
Babsy
wird von der Tierärztin mit einem Pferdewurmmittel „therapiert“ und
so beginnt eine lange schlimme Zeit für unser Hundemädchen und uns. 1
Jahr lang ist ungewiss, ob der angerichtete Schaden zu beheben ist. Nie
zuvor benötigte sie einen Tierarzt, außer für die erforderlichen
Impfungen. Jetzt muss sie viele Untersuchungen,
mit und ohne Narkose, erfolglos über sich ergehen lassen. Und es ist
ein Wunder, eine Erlösung für uns, als sich endlich gesundheitliche
Fortschritte zeigen; Babsy schließlich wieder „alles“ in sich
hineinfressen kann, was ihr schmeckt.
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| Ein
Jahr darauf wird Babsy zum letzten Mal Mama. Es sind leider nur 3
Welpen. Und da nicht immer alles gut verläuft, müssen diese per
Kaiserschnitt ans Tageslicht geholt werden. Ganz nebenbei wird schließlich
auch die Ursache für die (also hormonell bedingte) auffällige
Hauterscheinung gefunden; mehrere Zysten an Gebärmutter und Eierstöcken.
Ich kann mich aber nicht mit dem Gedanken anfreunden, mein Mädchen
jetzt kastrieren zu lassen, zumal mir versichert wird, dass es sich um
gutartige Zysten handelt.
Die
Operation ist schnell vergessen. Es ist ein Vergnügen, die Aufzucht von
„nur“ 3 Welpen zu verfolgen, da sie in der Familie problemlos und
ohne Einschränkung und irgendeinen großen Arbeitsaufwand oder Stress
aufwachsen.
Zurück
bleibt aber die Frage, ob nicht die Entfernung der veränderten Eierstöcke
und Gebärmutter richtig gewesen wäre. Denn schon bald zeigen sich
kleine Knoten in den Gesäugeleisten. Aber auch jetzt möchten wir der Hündin
keine weitere Operation zumuten, zumal die beiden Knötchen über 3
Jahre keinerlei Unauffälligkeiten zeigen. Erst
im 12. Lebensjahr werden diese aktiv, wachsen innerhalb von 6 Monaten
zusehends. Babsy zeigt zwar inzwischen einige „Alterserscheinungen“, die sich allerdings eher in „Schwerhörigkeit“,
„Blindheit“, „Desinteresse“, etc… zeigen, jedoch in einem
solch unterschiedlichen Ausmaß, dass der Ernst solcher
„Erkrankungen“ nicht unbedingt wahr zunehmen ist. Allerdings macht
uns ihr ständig zunehmender Bauchumfang Sorgen. Wir müssen davon
ausgehen, dass sich inzwischen Metastasen in anderen Organen gebildet
haben, die aber weiterhin keinerlei Beschwerden verzeichnen.
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Bis
zu dem Tage, an dem einer unserer Hunde einen gewaltigen
Magen-Darm-Infekt mit nach Hause bringt, der unser Hunderudel trifft. Es
bedarf nur weniger Tage, in denen wir zusehen müssen, wie Babsy abbaut,
die Tumore ein entsetzliches Ausmaß annehmen. Unser altes Mädchen
zeigt uns, es wird Zeit Abschied zu nehmen.
Und
dann kommen Zweifel auf! Hätte man nicht doch damals einer Kastration
zustimmen sollen? Hätte man die Gesäugeleisten entfernen lassen
sollen? Ja hätte man nur……. Andererseits hätte eine Operation
dauerhaften Erfolg gebracht? Hatten wir uns nicht geschworen, ihr keine
unnötigen Behandlungen mehr zuzumuten? Hat unser Mädchen nicht damals
genug durchgemacht und trotzdem ein schönes Alter erreicht? Ja, aber
vielleicht wäre sie noch einige Jahre bei uns gewesen, wenn…… Wir
wissen es nicht! Diese
Unwissenheit ist unerträglich! Unerträglich wie der Gedanke:
Nie
wieder morgens durch ihre kalte Nase unter meiner Bettdecke geweckt zu
werden.
Nie
wieder in ihre wunderschönen, warmen, so verständnisvollen, alles
verstehenden, alles wissenden, gutmütigen Augen zu sehen.
Nie
wieder meine Nase in ihr, noch Stunden nach ihrem Tod, nach blühendem
Ilex duftendes Fell stecken zu können.
Aber
noch unerträglicher wäre es gewesen, sie weiter leiden sehen zu müssen.
Babsy
hat nun Ruhe neben ihrem Vater gefunden, dem sie so ähnlich war.
Ich
vermisse sie so sehr.
Vielleicht
ist ihr Abschied nur ein neuer Anfang? Vielleicht wird es irgendwann
wieder dieses kleine blonde Mädel geben, mit diesen wunderschönen
Augen, diesem
Duft nach blühendem Ilex und einer großen kalten Nase, die mich
morgens weckt?

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Dezember 2004 |
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